Sexurlaub in Thailand – in welche Richtung führt die Zukunft?
Erstaunlich ist die Tatsache, dass Prostitution in Thailand eigentlich offiziell verboten ist. Und auch der Glauben, also der Buddhismus, untersagt den Handel mit sexuellen Dienstleistungen. Da ist es kaum zu begreifen, dass es in Thailand Hunderttausende Frauen gibt, die Liebesdienste anbieten, die von jedem zweiten (!) Besucher Thailands auf Interesse stoßen. Ungefähr eine Million Gäste nehmen diese Dienste in Anspruch. Diesen Zahlen liegen zwar nur grobe Schätzungen zugrunde. Doch warum ist das möglich? Das geht nur, weil im Land selbst mit dem Tatbestand „Prostitution“ sehr locker umgegangen wird. Nicht nur durch Regierung oder die Polizei, sondern vor allem von den Familien, die doch gerne das gute Geld ihrer Mädchen zur Versorgung der ganzen Familie entgegen nehmen, und – einmal daran gewöhnt – auch ungern darauf verzichten möchten. Nach außen hin wird darüber natürlich nicht geredet. Auf der anderen Seite werden viele Mädchen aus Geldnot und wirtschaftlicher Notlage heraus an Agenturen und Bordelle verkauft. Sie kommen meist aus dem Norden Thailands und landen dann in den einschlägigen Clubs in Hochburgen des thailändischen Sextourismus, also in Bangkok, Pattya oder Phuket.
Doch wo führt das hin? Mit dem Sextourismus wird in Thailand sehr viel Geld gemacht. Natürlich ist es für jeden Staat schwierig, auf einen großen Teil von Einnahmen zu verzichten. Zumal die Sextouristen ja nicht nur für die Liebesdienste ihr Geld im Lande lassen. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, ob es im Interesse eines Staates sein kann, dass Frauen und auch Männer auf diese Art und Weise ihr Geld verdienen müssen. Warum eröffnet die Regierung den betroffenen Menschen und ihren Familien nicht andere Möglichkeiten, mit geregelter, vernünftig bezahlter und von allen Seiten anerkannte Arbeit den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten? Hat der Staat so wenig Achtung vor dem eigenen Volk? Ja, natürlich gibt es Prostitution auf der ganzen Welt. Aber in welchem Umfang – vor allem in Thailand, ist erschreckend und beängstigend.
Und was hat sich verändert? Die „Kunden“ haben sich verändert. Nicht nur ältere Männer aus dem Westen, sondern auch junge Männer, teilweise sogar Studenten, kommen für Sexabenteuer nach Thailand. Außerdem haben der Tourismus selbst aber das Geschäft mit dem Sex schon immer von der Globalisierung profitiert. Ein normaler männlicher Single-Tourist, der irgendwo auf der Welt in ein Hotel fährt um Urlaub zu machen, kann sich plötzlich in einem Hotel wiederfinden, in dem ein akuter Frauenüberschuss besteht – und er erst mit der Zeit versteht, was dahintersteckt. Für viele mag das abschreckend sein, für viele andere aber auch die Versuchung pur.
Das Grundproblem des Sextourismus liegt in der sozialen Ungleichheit begründet. Es soll Kellerinnen geben, die bei einem 14-Stunden-Tag ein Monatsgehalt verdienen, dass andere Frauen, die den Touristen aus dem Westen ihre Sexdienste anbieten, in nur zwei, drei Stunden in der Tasche haben. Deshalb kann niemand die Menschen verurteilen, die im Sextourismus ihre Chance sehen, sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Hinzu kommt einer starker Trend, alles zu liberalisieren. Kritik vor allem im Zusammenhang mit angeblicher Selbstbestimmung ist nicht erwünscht. Wenn aber modern sein zwangsläufig mit Liberalisierung einher eht, wird sich auch in Zukunft an der jetzigen Situation wahrscheinlich wenig ändern.